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Wertschätzung rauf, Mobbing runter

Eine Kultur der Anerkennung aufbauen fällt leichter als Mobbing und schlechtes Betriebsklima abbauen. Darüber schreibt Anne Katrin Matyssek in ihrem Buch „Wertschätzung im Betrieb“. Wie Kollegen und Führungskräfte gemeinsam eine positive Spirale in Bewegung setzen und auch die „harten Kerle“ mitreißen, die scheinbar keiner Anerkennung bedürfen.

Die Forscher der „Hawthorne-Studien“ erkannten bereits in den 20er Jahren, dass Beachtung wirkt. Ursprünglich wollten sie herausfinden, inwiefern Licht die Arbeitsleistung beeinflusst, und testeten eine Gruppe von Arbeiterinnen unter hellen, dunkleren und gleichbleibenden Verhältnissen. Erstaunlicherweise stieg die Leistung unter allen drei Bedingungen an. Die Forscher fanden heraus, dass sich die Arbeiterinnen so geehrt fühlten, Teil eines wissenschaftlichen Experimentes der Universität zu sein, dass sie das zu Höchstleistungen motivierte.

Dopingmittel Anerkennung

Anerkennung und Beachtung setzen Dopamin frei und erhöhen damit die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Zusätzlich schüttet Anerkennung Glückshormone (Endorphine) aus, die den Blutdruck senken, für Entspannung sorgen sowie die Angst vor Fehlern und möglichen missgünstigen Kollegen oder Chefs reduzieren. Vertrauen wächst, Selbstvertrauen sprießt, und der Mitarbeiter blüht auf.

Umgekehrt kann Mobbing krank machen. Wer die meiste Zeit damit beschäftigt ist, spöttische Bemerkungen, Gerüchte, ständige Kritik oder Ignoranz-Attacken abzuwehren, hat den Kopf weniger frei für seine Arbeit. Zudem sinkt das Selbstvertrauen in die eigene Leistung, während das Gesundheitsrisiko steigt: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und damit verbundene Fehlzeiten bescheren der Wirtschaft Schäden in Milliardenhöhe.

Alles nur Weiberkram?

Matyssek lernte in ihren Seminaren auch jene kennen, die sich als harte Kerle bezeichnen. Raue Sitten gehörten zum guten Ton, „Streicheleinheiten“ waren unerwünscht, und es galt: „Nicht gemotzt ist genug gelobt“. Am Ende dachte sie selbst, dass es tatsächlich Menschengruppen gäbe, die eben härter miteinander umgingen und es dabei nicht so meinten.

Interessanterweise beklagten sich dieselben harten Kerle (und vor allem deren Mitarbeiter) in anonymen, schriftlichen Befragungen der Personalleiter über die mangelnde Wertschätzung ihrer Leistungen. Seither ist Matyssek überzeugt: „Harte Kerle tun sich lediglich schwerer, ihre Bedürfnisse diesbezüglich zu artikulieren.“ Außerdem machte sie die Erfahrung, dass anerkennungsgeizige Menschen sich durchaus über positive Rückmeldungen anderer freuen.

"Focus on the good stuff"

Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, das verstärken wir auch. Wenn wir also unseren Fokus auf die positiven Eigenschaften eines Kollegen oder Vorgesetzten richten und ihn wertschätzend behandeln, kann er diese Eigenschaften entfalten – und bei uns verstärkt sich wiederum das Wertschätzungsempfinden. Eine positive Spirale setzt sich in Gang. Das gilt auch für anerkennenden Erfahrungsaustausch - das positive Gegenstück zu schädlichem Klatsch und Tratsch.

Für Leute, die sich anfangs mit vielen Lobesworten schwer tun, schlägt Matyssek weitere Anerkennungs-Möglichkeiten vor: Verantwortung übertragen, in Entscheidungsprozesse mit einbeziehen und Rahmenbedingungen schaffen, in der die Mitarbeiter und Kollegen ihr Potential entfalten können. Unsere Einstellung zum anderen ist also der Knackpunkt genauso wie unsere Fähigkeit, ihn mit wertschätzenden Augen zu sehen.

Das Buch:

Anne Katrin Matyssek
Wertschätzung im Betrieb – Impulse für eine gesündere Unternehmenskultur
Norderstedt (Books on Demand GmbH) 2011
www.do-care.de

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